Ist Agiles Arbeiten eine vorübergehende Managementmode?

Andy Duke sagt: Nein. Egal, wie Sie das Kind nennen und welche Konzepte Sie im Kopf haben: Organisationen brauchen neue Formen der Zusammenarbeit. Und Menschen sehnen sich danach

Die Auslöser

Organisationen sehen sich schnell wachsender Komplexität gegenüber. Die Anpassungsleistung, die deshalb erbracht werden muss, kann nicht aus den bestehenden Strukturen und Arbeitsabläufen erbracht werden. Wir erleben gleichzeitig, dass es fast schon eine Sehnsucht nach neuen Formen von Zusammenarbeit gibt – und zwar auf allen Ebenen! Das ist neu. So bilden sich nach und nach Netzwerkstrukturen neben der klassischen Linie und der wohl bekannten Projektorganisation aus. Als Inspiration dienen Unternehmen wie Spotify, Google, movingimage und viele Startups. Learning Journeys boomen. In den Unternehmen, die wir beraten, entstehen so neue Strukturen der Zusammenarbeit. Diese tragen Bezeichnungen wie „Squads“, „Tribes“ oder „Agile Coaches“. Andere setzen Verfahren wie Scrum und Design Thinking ein. Mehr und mehr werden auch die klassischen Branchen von diesem Trend erfasst. Ein „Zurück zu alten Formen“ wird es nicht geben.
Jede Änderung von Strukturen führt jedoch nicht nur zu gewünschten und erfreulichen Ergebnissen – sie führen auch geradewegs in neue Spannungsfelder. Deswegen ist es so wichtig, den Start gut zu durchdenken.

Was empfiehlt Andy Duke für einen guten Start?

Eines vorweg: Bitte belassen Sie es bei den folgenden Punkte sprachlich nicht auf der Ebene von Schlagworten und Überschriften. Verwenden Sie so viele Verben als irgendwie möglich. Verben drücken Tun und Verantwortung aus! Die Verwendung von zu vielen Substantiven ist in sich schon ein Übel, denn diese werden mehrdimensional verstanden. Dann denkt sich jeder seinen Teil hinzu und spätestens an konfliktären Punkten stellt man fest, dass von Unterschiedlichem ausgegangen wurde.

Startempfehlungen

1. Warum gerade jetzt? Warum genau so und nicht anders? Auf welche konkrete wirtschaftliche Notwendigkeit(en) soll die veränderte Struktur Antwort geben?

2. Überlegen Sie genau, mit wem Sie Punkt 1 diskutieren. Die Auswahl des Kreises sollte die neue Struktur spiegeln.

3. Diskutieren Sie so lange, bis eine gemeinsam getragene unternehmerische Intention Gestalt annimmt. Diese muss dann greifbar beschreibbar sein – nicht in Management Buzzwords wie beispielsweise „Wir wollen agiler werden“. Das ist keine unternehmerische Intention!

4. Vielleicht das Ungewöhnlichste: Definieren Sie, was Sie unter den verwendeten Begriffen verstehen. Legen Sie ein Glossar an. Was bedeutet in Ihrem wirtschaftlichen Umfeld „agil“? Was „komplex“? Um die konkrete Definition dieser beiden Begriffe kommen Sie beim Einführen von agilen Arbeitsmethoden nicht herum.

5. Legen Sie zu Beginn fest, wann und wie Sie prüfen werden, ob die veränderten Strukturen zum gewünschten Ergebnis führen. Definieren Sie die Prüfkriterien, sowohl die ökonomischen als auch die kulturellen. Woran werden Sie merken, dass die neuen Formen der Zusammenarbeit erfolgreich sind?

Allgemeine Definition Agilität

Agilität ist das Anpassungsvermögen einer Organisation oder Organisationseinheit an sich (dynamisch) verändernde Umstände. Die Anpassungsfähigkeit zeigt sich in der Bereitschaft, Wahrnehmung und Fähigkeit, in angemessener Geschwindigkeit zu agieren – mindestens relativ schneller als oder gleich schnell wie der Wettbewerb.
Allgemeine Definition KOMPLEXität

Komplexität lässt sich am Besten durch die vier Komplexitätstreiber „DIVA“* beschreiben.

  • Diversität (mehrere und unterschiedliche Elemente)
  • Interdependenz (wechselseitige umfangreiche Abhängigkeiten, die nicht linear berechenbar sind)
  • Volatilität (Schwankungen oder Unbeständigkeit erzeugen Unsicherheit)
  • Ambiguität (mehrdeutig, unscharf, diffus)