Ein Brief an Andy Duke

1. April 2016

Lieber Andy,

der 1. April ist gekommen. Es ist soweit. Wir beide nehmen das Zepter in die Hand, das Du uns überreicht hast. Wir dürfen Deinen Namen weiterführen.

Du nennst uns gerne Deine Meisterschüler. Dürfen wir Dich dann Meisterfreund nennen? Vor nicht allzu langer Zeit hast Du nun gesagt, dass Du uns als Schüler entlässt und wir unter Deinem Namen die Geschäfte weiterführen sollen. Wir hörten nicht nur das „Sollen“ in Deinen Worten. Für uns war es auch ein „Dürfen“ und ein „Wollen“. Dass es sich nicht mehr um ein „Können“ dreht, hast Du mit dieser Aussage deutlich gemacht. Lieber Andy, das hatte etwas von einem Ritterschlag :–)

Nun machen wir beide uns auf den Weg. Mit unserer Andy Duke GmbH. Was soll sie bewirken? Für was soll sie stehen? Wie oft haben wir uns in den vergangenen Jahren über die Wirkung bei Klienten in Veränderungsprozessen unterhalten. Was haben wir um beste Lösungen gerungen. Was haben wir gekämpft und gestritten. Wir wissen es noch wie gestern, als es zu Beginn unserer Lehrzeit mal so richtig daneben ging – Andy, Du weißt noch genau, bei wem! – und als Du zu uns am Telefon sagtest: „Berater fallen hin- und wieder mal vom Pferd. Entweder fallen sie auf der Inhaltsseite vom Pferd und verlieren die Teilnehmer, in dem sie nur das Fachliche im Blick haben. Oder sie fallen von der Prozessseite vom Pferd, in dem sie sich in der Überbetonung des Prozesses verlieren und ihnen damit das Fachlich-Inhaltliche aus den Augen schwindet.“

Das hat sich genau so bewahrheitet. Hin- und wieder sind wir vom Pferd gefallen. Nicht oft, aber umso schmerzvoller, wenn es denn so mal war. Weißt Du noch das eine Mal? Ist schon ein paar Jahre her. Im Gespräch mit Dir wurde deutlich, dass wir auf der Inhaltsseite vom Pferd gefallen waren. Vor lauter Sicht auf das Unternehmen und die zu erledigende Aufgabe hatten wir den Vorstandsvorsitzenden und seine Not aus den Augen verloren. Durch dieses Nicht-Sehen kam es zu einem Nicht-Verstehen, was wiederum zu einem unangenehmen Missverständnis führte.

Durch die Reflexion mit Dir wurde uns erstens bewusst, warum es zu diesem Missverständnis gekommen war. Wir hatten eine so leicht klingende und doch zeitweise schwer umzusetzende Grundhaltung missachtet: „I see you.“ Nicht mehr und nicht weniger. Die Not der sogenannten Mächtigen und die Not der sogenannten Ohnmächtigen sehen. Jeweils die Not, die das Gegenüber spürt. Ja, ja, wir hören Dich noch sagen: „Das älteste deutsche Epos handelt genau davon! Erst als Parzival den König fragt: ‚Oheim, wie geht es Dir?’ ist er würdig, den Gral zu empfangen!“ Die unangenehme Einsicht dieser Reflexion war, dass es dieses Mal nur an uns lag. Zweitens wurde uns klar, dass wir zu ihm gehen und ihn um Entschuldigung bitten müssen. „Da beißt die Maus keinen Faden ab!“, wie Du so nett sagst.
Was fällt es uns schwer, zum Auftraggeber zu gehen und ihm zu sagen, dass wir etwas übersehen haben. Das hat uns Mut gekostet!
Das Gespräch hatte dazu geführt, dass wir unsere Achtlosigkeit eingestehen konnten, sich das Missverständnis dadurch auflöste und die Arbeit gut weiter gehen konnte. Wie Du ja weißt, sogar bis heute.

Tja, es gab so viele Lehrstellen, die wir mit Dir im Hintergrund durchlaufen haben. Du hast uns von Anfang an eines gelehrt: „Macht kurze, schnelle Reflexions- und Feedbackrunden unter Euch. Schaut Euch bewusst Eure Erfolge an! Schaut, was wie wirkt und vor allem wie die Wirkung wirkt! Schaut nicht nur das an, was nicht so funktioniert, wie Ihr das gedacht habt oder der Klient es sich vorgestellt hat. Es kommt darauf an, dass Ihr Wirkungen versteht und nicht, ob das in dem Moment positiv oder negativ aufgenommen wird. Zu oft wird heute Wohlgefälliges im Nachgang bedeutungslos oder gar der Ausgangspunkt für eine nicht gewünschte Entwicklung und das verstörend Irritierende von heute kann die Basis für eine wertvolle Entwicklung von morgen sein.“

Lieber Andy, was waren wir froh, dass Du das alles kanntest, bereits ein Meister Deines Faches warst, als wir uns kennenlernten. Die Zeiten waren andere, zugegeben, aber das Handwerk an sich ändert sich ja nicht. Die Handhabung des Handwerks ändert sich, die Werkzeuge, heute Tools genannt, ändern sich. Aber die Prinzipien der Kunst der Veränderungsberatung bleiben beständig.
Diese Kunst hast Du uns beigebracht. Wir werden das Beste daraus machen. Versprochen. Wir werden Dein Werk weiterführen – wenn auch mit unserer ganz eigenen Handschrift. Jedoch stets Dir zu Ehren. Und die Ehre, die Dir gebührt, werden die nachhaltigen Wirkungen bei unseren Klienten sein. Sehr verehrter, lieber Meisterfreund, so trauen wir uns heute, am 1. April 2016, Dich zum ersten Mal so anzusprechen. Und Andy Duke wäre nicht Andy Duke, hätte er nicht eine erstaunliche Antwort auf diesen Brief.

In Verbundenheit
Claudia Maria Fürst und Dirk Andreas Kochan, ehemals Meisterschüler

PS: Wir respektieren natürlich Deinen Wunsch, Deine E-Mail Adresse nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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